Damit ihr versteht, warum ich mich diesen September am Klimastreik beteilige, muss ich euch von einer Kiste erzählen.

Im Juni 2016 ist meine Urgroßmutter “Dada Ming” mit 96 Jahren verstorben. In ihrem Testament hat sie ihren Enkeln und Urenkeln viele Dinge hinterlassen, damit diese sie in Erinnerung behalten. Meine Schwester hat einige persönliche Erinnerungsstücke bekommen. Und ich bekam eine Kiste.

Die Kiste war nicht einmal für mich bestimmt, nicht direkt. Darauf stand: “Für Rios ersten Sohn.” Noch heute steht sie in einer Ecke meines Zimmers. Ein Geheimnis, das darauf wartet, gelüftet zu werden.

 

Stellt euch vor, ich bin eine Art Prolog. Meine Aufgabe ist es, der nächsten Geschichte den Weg zu ebnen, und dabei hoffentlich auch ein wenig Spaß zu haben. Aber es gibt da ein Problem: Ein vernichtender Sturm aus Klimakatastrophen steht kurz davor, über unsere gemeinsame Türschwelle hereinzubrechen.

Wer ist dafür verantwortlich? Die meisten Abgase, die heute die Arktis zum Schmelzen bringen, waren schon in der Luft, bevor ich geboren wurde. Meine Generation ist gerade rechtzeitig gekommen, um die Folgen zu spüren. Das ist, als würde man ein Videospiel spielen, bei dem der Endgegner sich im ersten Raum befindet – und man überhaupt keine Chance hat, die wirklich gute Beute einzuheimsen.

Dieser Endgegner ist Ramon Ang, Milliardär und Inhaber des Unternehmens San Miguel in den Philippinen. Er setzt sich für neue Kohle ein. Und er ist Rex Tillerson, ehemaliger US-Außenminister, der als CEO von ExxonMobil Politiker*innen dafür bezahlt hat, den Klimawandel zu verleugnen. Zu diesen Endgegnern gehören auch die ersten Kolonisten, die für Brennstoffe und Geld zusammengepresste Dinosaurierknochen ausgegraben und die Gas-, Öl- und Kohleindustrie aufgebaut haben und diese noch heute unterstützen. Dieser Endgegner ist der Feind.

Seien wir ehrlich. Diese Politiker*innen und Milliardär*innen sind bereit, die Welt brennen zu sehen, weil sie der Meinung sind, dass ihre Reichtümer sie vor den Flammen schützen werden.

Die Lage ist abscheulich. Manchmal stockt mir beim Gedanken daran der Atem. Und dann muss ich mich wachrütteln. Es gibt mehr als genug Gründe dafür, sich entschlossen für etwas einzusetzen und Hoffnung zu haben.

Wir wissen, was wir tun müssen, gegen wen wir kämpfen und wie wir vorgehen werden. Die Emissionen müssen jetzt aufhören und das ist nur möglich, wenn wir strategisch und bestimmt handeln. Wenn wir dem bevorstehenden Sturm nicht nur standhalten, sondern ihn unbeschadet überstehen wollen, müssen wir die Milliardär*innen stürzen. Wir müssen das grausame und nicht zukunftsfähige System durch ein neues, gerechtes ersetzen.

Warum beteilige ich mich diesen September am Klimastreik? Wegen meiner Urgroßmutter. Wegen des Geschenks, das sie meinem zukünftigen Sohn hinterlassen hat. Denn das ist mein Leben und ich habe das Recht, es zu leben. Ohne die Zwänge, die das System von einigen wenigen Gierigen uns auferlegt, die für ein paar mehr Euro in der Tasche den Rest von uns dem Untergang weihen würden.

Das sind meine Gründe – und ich wette, ihr habt eure eigenen.

Vom 20. bis 27. September 2019 werden junge Menschen auf der ganzen Welt streiken: für unser Leben, unsere Hoffnung und unsere Zukunft. Alle müssen mitmachen. Die Jugend von heute wird diesen Planeten erben und dafür müssen wir ihn schützen – und wenn der September kommt, hoffe ich, dass wir Seite an Seite marschieren werden.

Portrait of Rio Constantino

Wie die meisten Studierenden ist Rio Constantino ständig auf der Suche nach Schlaf, Alkohol und einer Internetverbindung – und zwar in dieser Reihenfolge. Im Moment studiert er Biologie an der University of the Philippines, Diliman, und träumt davon, eines Tages Ökologe zu werden.